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Dot-Layer-Technik

Wie ein Motiv entsteht



Die Entwurfsskizzen


Motive für die Dot-Layer-Technik müssen natürlich genauso entworfen werden, wie für jede andere Art und Technik des Zeichnens oder Malens auch. Da Umrisslinien als Stilelement benutzt werden, sind allzu filigane Motive ausgeschlossen. Überhaupt wird das Motiv streng auf die Bedürfnisse der Technik zugeschnitten.
Für eine Grundübung wurde ein sehr leichtes Motiv gesucht, welches sich aus deutlich getrennten Flächen zusammensetzt. Nach einigen Überlegungen wurden Skizen gemacht um einen groben Eindruck zu erhalten. Nebenstehend die Skizze, die dann ausgewählt wurde. Solche Skizzen mache ich mit Grafitstiften (veralt. Bleistift) und färbe sie mit Pastellstiften. Sie dienen nur der groben Orientierung und als Basis für die eigentliche Vorzeichnung


Die Vorzeichnung


Auf Basis dieser groben Skizze wird nun sorgfältig die Vorzeichnung erstellt. Wieder sind es Grafitstifte auf einem guten Zeichenkarton. Man erkennt, dass sich gegenüber der Skizze die Proportionen leicht geändert haben und unten links eine weitere Vase hinzugekommen ist.


Der Goldene Schnitt


Schon bei der obigen Grundskizze wurden wichtige Regeln einer Bildkomposition durchdacht und geplant. Wenn man schon sehr viele solcher Entwürfe gemacht hat, erfolgt das fast automatisch. Man beginnt mit der Komposition und nicht mit dem Motiv. Obwohl das eine willkürliche Anordnung von unterschiedlichen Vasen und Töpfen zu sein scheint, steckt in der Anordnung und den einzelnen Formen exakte Planung. Ziel ist jedoch, dass diese reglementierte Komposition zwar die richtige Wirkung hat, dem Betrachter jedoch verborgen bleibt.
Eine Vase sollte einen starke Dominanz haben, sozusagen der Blickfänger und Zentrum des Bilds. Es entspricht jedoch kaum den Regeln der Form- und Kompositionslehre, dieses Zentrum auch in die Mitte des Bilds zu legen. Das wäre langweilig und ohne Spannung. Deshalb wurde die dominante Vase, die sich durch eine völlig andere Form als die anderen auszeichnet, auf der horizontalen Achse auf den Goldenen Schnitt gelegt und ihre Oberkante wurde vertikal ebenfalls auf den Goldenen Schnitt positioniert.
Obwohl der Goldene Schnitt schon seit etwa 300 vor Chr. bekannt ist wird er immer noch recht selten eingesetzt. Man sollte aber auch nicht verschweigen, dass seine ästhetische Wirkung auch Zweifler findet. Wiederum andererseits könnte man den Goldenen Schnitt aber auch berechtigt als Naturkonstante bezeichnen.


Der Weg des Auges


Auch die Position des Henkels der Amphore wurde bewusst gewählt. Diese Stelle ist auffällig, sie ist innerhalb der Textur, die die Oberkanten und Kurven der Vasen bilden, disharmonisch, lockt den Blick an. Die meisten westlichen Betrachter werden den Henkel zuerst bewusst wahrnehmen und dann wird der Blick zu der dominanten Vase wandern und darüber hinaus. Betrachter aus östlichen Kulturen neigen durch ihre Schrift jedoch eher rechts zu beginnen. Daher wurde auch dort einen abfallende Geometrie gewählt.
Dies ist eine sehr wichtige Regel in der Komposition von Bilden, besonders, wenn sie sehr groß sind. Das Auge soll gefangen und dann auf einen definierten Weg geschickt werden, der bestenfalls in einen interessanten Ruhepunkt endet. Leider sind viele Menschen heute nicht mehr in der Lage, so etwas wahrzunehmen, zu schnelllebig ist unsere Zeit und zu groß und zu schnell die Bilderflut. Erst wenn man sich wirklich in Ruhe ein Bild betrachtet, finden solche Regeln Geltung.


Die geometrische Komposition


Neben diesen Regeln aus Form- und Kompositionslehre sollen noch zwei kompositorische Aspekte erwähnt werden.
Wenn das Bild einen Ausschnitt zeigt, d.h. Objekte an den Bildrändern angeschnitten sind, nennt man das eine 'offene Komposition', das Bild setzt sich imaginär über das Bildmaß fort. Das ist spannender als eine erzwungene begrenzte Gruppe von Objekten. Dies erfordert künstliche Leerräume an den Rändern, die bei einem Motiv dieser Art deutlich schlechter und gekünstelter ausschauen.
Die unterschiedliche Höhen der Vasen gaben natürlich Anlass, mit den Oberkanten zu spielen. Da dies ja ein einfaches Motiv werden sollte, wurde auf einee perspektivische Darstellung der Vasenöffnungen verzichtet. Um aber doch noch etwas Interessantes mit den Oberkanten zu machen, wurden diese treppenartig angeordnet, wobei diese Anordnung keineswegs mit der Anordnung der Vasen von vorne nach hinten übereinstimmt.
Bei einem so kleinem und einfachen Motiv sind die Möglichkeiten der Komposition natürlich begrenzt. Bei aufwendigen Gemälden können wesentlich mehr und komplexere Regeln zur Anwendung kommen. Aber zur Demonstration der Vorgehensweise sind diese Beispiel gut geeignet.


Die Pausvorlage


Da dieses Motiv nun auf etliche verschiede Maluntergründe übertragen werden muss, wurde als nächstes eine Pausvorlage gezeichnet. In solchen Fällen nehme ich eine Blatt Transparentpapier und pause die Reinzeichnung exakt mit einem Feinliner durch. Diese benutze ich dann mit einer Transferfolie zum schnellen Übertragen des Motivs. Diese Methode macht jedoch nur Sinn bei Formaten bis etwa DIN A 3, was darüber hinausgeht muss mit einem Projektor projiziert werden.
Bei dieser Übertragung kommt es immer wieder vor, dass feine Details verbessert werden, so auch hier.


Die Tonwertstudie


Eine weitere, effektive Möglichkeit die Komposition zu gestalten ist das gezielte Einsetzen von Helligkeitsunterschieden. Meine übliche klassische, cézanne'sche Komposition mit Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund, gibt es bei diesem Motiv ja nicht. Deshalb war es wichtig, eine zusätzliche Tiefenwirkung durch die Anordnung der Helligkeit zu gewinnen. Wie man auf nebenstehender Tonwertstudie erkennen kann, ist die hinterste Vase die dunkelste, während die vordersten die hellsten sind. Dies Anordnung schafft Tiefe, wir erkennen das Prinzip, dass der enge Hintergrund abgeschattet ist und was vorne in der prallen Sonne steht, heller und ausgebleicht ist.
Aufmerksame Beobachter werden jetzt aber einwenden, dass die aber nicht für die Vase rechts hinten zutrifft, die eindeutig heller als die davorstehende ist. Stimmt - und das ist auch sehr wichtig, damit dieser 'Kunstgriff' nicht auffällt und die Komposition zu gekünstelt wirkt.
Solche Tonwertstudien mache ich entweder wie hier mit Grafitstufen und wenn es schnell gehen soll, mit Kreide oder Keohle.


Die Farbwertstudie


So wie die Tonwerte Einfluss auf die Bildkomposition nehmen können, sind natürlich die Farbwerte ebenfalls wichtig. Jedenfalls normalerweise. Bei diesem Motiv war der Spielraum extrem eng, da es ja ein besonders leichtes Motiv werden soll, am besten nur aus zwei oder drei Farben bestehend. Damit fallen fast alle Regeln der Farblehre aus. Wenn z.B. mit zwei Erdtönen gearbeitet werden soll, ergibt sich eine Farbharmonie durch Farbnähe und aus. Allerdings bleibt eine Möglichkeit, die wir trotzdem nutzen können, die Farbsättigung. Maltechnisch vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, wie stark wir die Farben mit unbunten Farben (Schwarz/Weiß/Graustufen) vermischen. Da der dunklere Erdton als dunkelster Wert im Bild genügt, kommt also Weiß in Frage und so erhalten wir gleichzeitig die Helligkeitsstufen. Dort, wo es heller ist, ist die Sättigung am geringsten (wenn wir gegen Weiß mischen, anstelle z.B. gegen ein helles Gelb) die Objekte wirken ausgeblichen.
Nebenstehend die Farbwertstudie, an der man sehr schön die Wirkung der veränderten Sättigung erkennen kann.
Im Gegensatz zur Tonwertstudie wurde hier ein hellerer Hintergrund gezeichnet, was sich als besser erwies.


Die Farbwertstudie


Auf nebenstehendem Fotos sieht man einer meiner Stiftkästen, in diesem Fall der von Faber-Castell mit Polychromos-Stiften. Dies sind ganz normale "Buntstifte", nicht wasserlöslich und bestens geeignet für solche Dinge. Man sieht auch die beiden Stifte, die ich verwendet habe, "Terracotta" und "Umbra gebrannt". Tatsächlich ist die Studie ausschließlich mit diesen beiden Farben gezeichnet. Die Helligkeitsunterschiede werden ausschließlich durch die Stärke des Farbauftrags erstellt, je dünner die Farbe, desto heller der Ton. Weiß war also nicht nötig, das Papier ist ja weiß und ähnlich wie bei der Aquarellmalerei wird das Papier in die Farbgebung einbezogen. Auch hier gibt es die Alternative solche Entwürfe schnell in Kreide zu machen. Mit Farbstiften ist das recht aufwendig und leider nicht so einfach, wie es ausschaut.


IN ARBEIT









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