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Dot-Layer-Technik

Stillleben Motiv #1 - Birnen - 24x18 cm

Dieses kleinen Stillleben ist bestens geeignet für die ersten Versuche mit der Dot-Layer-Technik. Es ist in recht einfaches Motiv, ohne viele Details und zeigt doch, dass stimmungsvolle Bilder auch mit einfachsten Mitteln gemalt werden können.

Es werden folgende Pinsel verwendet:
Ein Katzenzungen-Borsten-Pinsel Größe 8, ein Katzenzungen-Borsten-Pinsel Größe 14, runder Haarpinsel Größe 6.

Folgende Farben finden Verwendung:
Elfenbeinschwarz, Titanweiß, Umbra natur, Umbra gebrannt natur, Olivgrün, Kadmiumrot dunkel, Kobaltblau hell, Preussischblau, Sienna, Neapelgelb hell.


Zuerst wird die Vorzeichnung mit der schmalen Seite des 8er Katzenzungenpinsels nachgezogen. Dazu mischen wir Umbra gebrannt natur mit ein wenig Preussischblau. Ein wenig Wasser wird benötigt, damit die Farbe flüssig genug wird um einen deckenden Strich zu malen.
Werden diese beiden Farben gemischt, entsteht ein sehr dunkler Ton, fast schwarz wirkend. Aber reines Schwarz würde viel von der Natürlichleit des Bilds nehmen, Schwarz ist einfach zu hart.


Nun beginnen wir mit der Grundierung der Hintergründe. Wir brauchen bei der Grundierung etwas mehr Wasser, um die Farbe gut fließen zu lassen. Die Wand unseres Szenarios grundieren wir mit Umbra natur und den Tisch mit Olivgrün. Wir malen bis in die schwarzen Trennlinien hiein, aber wir achten darauf, dass wir weniger wie die Hälfte der Linie abdecken. Wenn wir später an der anderen Seite der Trennlinie malen, soll ein wenig von der ehemaligen Umrisslinie stehen bleiben.
Während Umbra gebrannt natur recht häufig eingesetzt wird, als dunkles Braun oder als Schattenfarbe, wird Umbra natur eher selten eingesetzt. Umbra natur ist eine recht stumpfe, fast könnte man sagen unattraktive Erdfarbe. Aber sie eigent sich hervorragend für mitteldunkle, sanfte Hintergründe, die den Vordergrund wirken lässt.
Es ist nicht erstrebenswert, eine plakative, homogene Farbfläche zu malen. Eine leichte Fleckigkeit hilft uns, eine natürliche Umgebung zu schaffen, die locker und gelassen wirkt. Eine hochexakte Farbfläche würde unnatürlich und steif wirken. Da darf auch ruhig mal die Leinwand durchschauen. Mit den nächsten Schichten werden wir diesen Eindruck sogar noch verstärken.


Jetzt beginnen wir, die soeben gemalten Hintergründe zu strukturieren. Zuerst werden die dunklen Bereiche strukturiert. Wir beginnen an der Trennlinie zwischen Wand und Tisch. Für die Wand mischen wir Umbra natur mit dem gleichen Teil Umbra gebrannt natur. Jetzt kommt kein Wasser mehr zur Farbe hinzu, im Gegenteil, wir streifen den Pinsel immer ab und arbeiten so trocken wie nur möglich. Wir dunkeln von der Grundline ab nach oben und nehmen immer weniger Farbe, je weiter wir nach oben kommen. Wir versuchen, 2/3 der Wand immer dünner werdend zu strukturieren. Danach machen wir das Gleiche mit der grünen Tischfläche. Wir mischen Olivgrün mit gleicher Menge Umbra gebrannt natur. Auch hier arbeiten wir uns immer dünner und trockener werdend nach unten durch. Zum Schluss muss der olivgrüne Untergrund vollständig durchleuchten.
Sollten wir zu weit und zu viel gemalt haben, oder zu starke Flecken bekommen haben, die unschön aussehen, wird wieder mit der vorherigen Hintergrundfarbe korrigiert. Die ständige Korrekturmöglichkeit macht diese Technik zum Kinderspiel.


Um die Tiefenwirkung noch mehr zu verstärken werden wir eine weitere Schicht auftragen. Die Wand dunkeln wir weiter von der Trennlinie mit Umbra gebrannt natur ab, bleiben nun aber näher im Bereich der Linie. Den Tisch decken wir ebenfalls an der Trennlinie weiter ab. Dafür mischen wir Olivgrün mit Preussischblau. Nun ist die Wirkung schon sehr deutlich zu sehen.


Nachdem wir jene Bereiche strukturiert haben, die dunkler werden sollten kommt nun die Umkehrung. Wir hellen nun die Wand- und Tischfläche auf. Wir mischen zu Umbra natur etwas Titanweiß hinzu. Der Ton soll deutlich aber geringfügig heller werden. Nun muss extrem trocken gearbeitet werden. Wir wischen vor dem Farbauftrag den Pinsel so stark wie möglich ab und reiben förmlich die Farbe auf. Am oberen Rand ab dichtesten und dann nach unten immer dünner werdend. Dabei malen wir bis in den Bereich hinein, den wir zuvor noch abgedunkelt haben. Dann wenden wir uns wieder der Tischfläche zu. Wir mischen zu Olivgrün etwas Titanweiß hinzu und arbeiten uns nach oben, bis an die Grenzen der Birnen durch und ein wenig weiter.

Auch hier achten wir wie immer darauf, die weiteren Schchten nicht wirklich decken zu malen, sondern wie die Vergrößerung zeigt, nur die erhabenen Stellen zu färben.


Der Hintergrund ist fertig und wir grundieren nun das Buch. Mit Kadmiumrot dunkel und etwas Wasser grundieren wir den Buchumschlag und mit Titanweiß die Blätter. Mit dem 6er Rund-Haarpinsel malen wir unter derschwarzen Linie einen Line in Kadmiumrot dunkel da der Buchumschlag ja etwas übersteht.


Wie der Hintergrund wird nun auch der Buchdeckel und die Seiten strukturiert. Kadmiumrot dunkel kann hervorragend und tontreu mit Umbra gebrannt natur vermischt werden. Mit dieser Mischung dunkeln wir den Buchdeckel von hinten her etwas ab. Wir mischen ein Grau aus Elfenbeinschwarz und Titanweiß und malen am oberen Rand der Buchseiten einen schmalen Streifen Schatten. Unterhalb der roten Buchdeckellinie malen wir einen weitere Umrisskante, sehr dünn.


Wenden wir uns nun der Dose zu. Wir grundieren wieder zuerst die ganze Dose. Wir benutzen Kobaltblau hell. Das ist eine ganz wunderbare Farbe. Selbst der Ton "hell" hat eine dermaßen große Sättigung, dass er letztlich recht dunkel ausfällt. Also werden wir diesmal nach dem Grundieren auf das Abdunkeln der Schatten verzichten und lieber das Blau nur aufhellen.
Die großen Flächen vermalen wir wieder mit dem 8er Katzenzungenpinsel, die Ecken und kleinen Flächen mit dem 6er Rundpinsel.


Nun mischen wir mit Kobaltblau hell und Titanweiß einen helleren Ton und hellen die Oberseite des Deckels und die Seitenbereiche links auf. Wir müssen immer darauf achten, woher das Licht kommt und entsprechend die Helligkeiten setzen.

Wie immer darauf achten, dass bis auf die ganz hellen stellen die Farbe nur auf den erhabenen Stellen sitzt. In der Vergroßerung sieht man sehr schön, wir zwischen den helleren Punkten der dunklere Untergrund durchleuchtet..


Nochmals mischen wir mit Kobaltblau hell und Titanweiß einen noch helleren Ton arbeiten den Lichtbereich nach.


Mit einem noch helleren Ton malen wir nun mit etwas Wasser und dem 6er Rundpinsel die Glanzlicher ein, ziehen die Ränder der Dose nach und hellen die Zentren der hellsten Bereichen noch weiter auf.


Mit Sienna grundieren wir nun die drei Birnen.


Mit Umbra gebrannt natur werden nun die lichtabgewandten Bereiche der Birnrn schattiert. Auch die Stiele werden nun nachgezogen.


Sehr trocken werden nun die Birnen mit Neapelgelb hell aufgehellt. Mit etwas Wasser und dem Rundpinsel werden dann die Kanten zur Lichtsite hin nachgezogen und die Stiele mit einer Lichtkante versehen.

Mit Umbra gebrannt natur wird am Boden der vorderen Birne der ehemalige Blütenstand angedeutet.


Mit Sienna setzen wir ein paar Flecken auf die Birnen. Zum Schluss malen wir mit Umbra gebrannt natur einen Schatten an das Buch, unter die Birnen und neben die Dose. Auch eine Signatur können wir damit malen. Ist alles fertig und trocken kommt ein Glanzlack über das gesamte Bild.



Das Bild nach dem Finissen in größerer Auflösung.


Das fertige Bild gerahmt an der Wand.


Grundlagen zum Bild: Komplementärfarben


Zur Zeit der Expressionisten begann die Zeit intensiver Farbanwendung. Die Grundlagen waren schon alt, die Impressionisten machten auch schon sanften Gebrauch davon. Aber es waren Expressionisten wie August Macke die ganze Bildkompostionen der Farbe widmeten. Dieses kleine Stillleben ist mit sogenannten Komplementärfarben aufgebaut.
Komplementärfarben nennt man Farbpaare, die im Farbkreis gegenüberliegen. Betrachtet man nebenstehenden Farbkreis und schaut sich das Rot an, dann erkennt man, dass die gegenüberliegende Farbe Grün ist. In unserem kleinen Stillleben liegt das rote Buch auf einer grünen Unterlage. Betrachten wir Orange, stellen wir fest, dass die Komplementärfarbe Blau ist. Die orange-braunen Birnen liegen daher vor einer blauen Dose.
Solche Farbanordnungen sind also nicht zufällig, sondern sorgfältig geplant.
Die Verwendung von Komplementärfarben schafft hohe Farbkontraste. Es wird Spannung im Bild aufgebaut. Trotz des hohen Kontrastes findet das Auge leichter einen Ruhepunkt.
Solch intensive Farbgebung führt zu einer anderen Eigenschaft: dem Farbgewicht. Unterschiedlich große und geformte Flächen haben in Abhängigkeit der verwendeten Farben ein unterschiedlichrs Gewicht. Wir können auf diese Weise für das Auge einen Schwerpunkt schaffen und sogar das Auge durch das Bild führen. Zu Zeiten der Bauhäuser wurde da intensiv geforscht und die daraus erstandnenen Erkenntnisse nahmen großen Einfluss auf die Bildgestaltung des Expressionismus und der abstrakten Kunst.
So muss bei der Auswahl der Farben auch Form und Größe eines Objekts berücksichtigt werden.


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