23.Januar 2013


Neue Leinwände


Die meisten Künstler und Hobbymaler verwenden industriell hergestellte Leinwände. Dafür gibt es zwei maßgebliche Gründe: Industriell gefertigte Leinwände kosten erheblich weniger und die Eigenproduktion macht recht viel Arbeit. Der einzige Grund, trotz Kosten und Aufwand die Leinwand selbst zu verleimen und zu grundieren besteht in der erheblich besseren Qualität. Zudem erfordert diese Eigenproduktion Wissen über die Materialien und Verfahren.
Leider weiß der normale Kunde diesen Qualitätsunterschied nicht zu erkennen und selbst auf Hinweis nicht zu honorieren. So braucht sich niemand zu wundern, dass am häufigsten die preiswertesten Qualitäten gekauft werden, wie das ja auch für die anderen Materialien gilt.
Nichts desto trotz arbeite ich mit Rohleinen und verleime und grundiere diese selbst.
Industriell gefertigte Leinwände werden entweder gespritzt oder gewalzt. Oft in einem Durchgang oder auch in zwei Durchläufen. Die heutigen Techniken, Verfahren und Materialien erzeugen dabei eine durchaus brauchbare Qualität. Allerdings gibt es keine Garantie für Haltbarkeit und chemischen neutralem Verhalten. Manche Gewebe sind so locker gewebt, dass es streng genommen von der Grundierung zusammengehalten werden. Aber auch dies funktioniert.
In früheren Zeiten wurde das "Maltuch" (das ist eigentlich die richtige Bezeichnung) mit einem Hasenleim/Knochenleim verleimt und dann mit einem Gesso (einem Kreidegrund) grundiert. Gessos gibt es neben Nichtkreidegründen wie Primer auch heute noch, wenngleich sie ebenfalls auf einer Acryl-Basis stehen, aber der Leim ist durch sogenannte Imprägnierungen ersetzt worden.
Dieser Beitrag beschreibt das Verfahren, welches ich für die "Verleimung" entwickelt habe und benutze.


Ich verwende ein sehr dichtes und schweres (440 g/m2) belgisches Leinen, welches ich in ganzen Rollen kaufe. Eine Rolle ist 2,15 m hoch. Es sind 10 m Leinen aufgewickelt. Das Material ist nicht billig, 311.- € kostet mich eine komplette Rolle.
Wegen des wirklich hohen Preises habe ich die aus der Verleimung resultierenden Abfallmenge durch ein geeignetes Verfahren auf 1 cm pro Seite reduziert.
Der erste Arbeitsschritt besteht aus dem genauen Zuschneiden einer kompletten Bahn. Es werden also immer nur ganze Bahnen verarbeitet, was zwar unhandlich ist, aber effizient und sparsam.
Ich verarbeite zur Zeit 3 verschiedene Bahnenbreiten. Sie sind abgestimmt auf eine spätere Bildbreite von 80, 100 und 120 cm. Das größte Bildformat, welches ich dadurch verarbeiten kann ist 2 x 1,2 m.


Im nächsten Schritt wird die Bahn in einen speziellen Spannrahmen fixiert. Dieser Spannrahmen besteht aus ganz normalen Keilleisten, wenn auch besserer Qualität. Jedoch sind immer 2 Keilleisten Rücken an Rücken verleimt. Dies verstärkt den Rahmen spürbar und ermöglicht die beidseitige Nutzung.
Die Abmessungen des Rahmens entspricht der Bahngröße mit etwa einem Zentimeter Rand. Die Bahn wird nämlich nicht wie beim späteren Keilrahmen umgeschlagen, sondern wird plan auf dem Rahmen befestigt.
Trotz des verstärkten Rahmens ist es erforderlich, den Rahmen mit Schraubzwingen zu befestigen. Wird die Leinenbahn mit der wässerigen Imprägnierung gestrichen, zieht sich das Leinen unter großer Kraft zusammen. Ohne die zusätzlichen Befestigung würde sich der Rahmen stark verdrehen und die Eckverbindungen können brechen.
Der Rahmen wird auf zwei stabilen Aquarellstaffeleien gestellt und festgeschraubt.


Besondere Aufmerksamkeit verdient die Art der Befestigung. Am Rand wird die Bahn ringsum sehr eng angetackert. Das muss wirklich sehr eng sein, ist der Abstand der Nadeln zu groß, bilden die Fäden des Gewebes Wellen, wenn sich das Gewebe zusammenzieht.
Es wäre jedoch nicht sinnvoll, das Gewebe einfach nur anzutackern, da es hinterher sehr schwierig ist, das Gewebe wieder zu lösen ohne es zu beschädigen. Daher wurden 1 cm breite Streifen aus 2 mm Buchbinderkarton geschnitten, durch die die Tackernadeln getrieben werden.


Die Imprägnierung von Lascaux wird für das Verleimen verwendet. Auch dies ist ein Kostenfaktor, da ein 5 Liter Kanister über 80 € kostet. Jedoch ist der Verbrauch recht sparsam. So halten sich diese Kosten dann doch in Grenzen.
Diese Verleimung bzw. Imprägnierung soll die Fasern des Leines umhüllen, Zwischenräume schließen und damit das Durchschlagen der späteren Grundierung verhindern und für die Grundierung die optimale und gleichmäßige Haftung bieten.
Der Hersteller empfiehlt, entweder die Imprägnierung unverdünnt mit der Spachtel aufzutragen oder 1:1 mit Wasser verdünnt mit dem Pinsel aufzutragen. Ich habe mich für die Methode mit dem Pinsel entschieden, jedoch streiche ich sehr dünn 4 Mal die Vorderseite und einmal die Rückseite. Dies ergibt eine hochoptimale Verbindung des Gewebes, sehr gleichmäßig und sehr dünn und flexibel.
Von der einen Seite zur anderen wird die Leinwand dünn mit der verdünnten Imprägnierung gestrichen, dabei wie bei allen strukturierten Streichgründen über Kreuz.


Nachdem ein Anstrich getrocknet ist, wird die gesamte Bahn sehr vorsichtig und gefühlvoll mit sehr feinem Schleifpapier abgeschliffen. Keinesfalls soll Material oder gar Leinen angeschliffen werden. Es geht nur darum, einzelne Härchen, die aus der Verleimung herausragen, abzuschleifen.
Erst dann kann der nächste Anstrich erfolgen.


Nach dem Trocknen des letzen Anstrichs kann die Leinwand vom Spannrahmen gelöst werden. Dazu wird mit einem Schraubenzieher vorsichtig der Kartonstreifen mit der Leinwand abgehebelt...


...und danach kann die Leinwand einfach abgezogen werden. Ab und zu ist eine Klammer besonders fest, dann wird wieder der Schraubenzieher zur Hilfe genommen.
Ist die Leinwand vollständig abgenommen, werden die Pappstreifen einfach mitsamt der Nadeln von der Leinwand abgezogen.


Die Leinwand ist nun noch immer sehr flexibel, sie lässt sich leicht zusammenrollen. Jedoch ist sie steif genug, dass die Rolle von selbst steht.
In einem Kunststoffrohr kann man solche vorgefertigten Leinwände bis zum Bedarf geschützt lagern.


Man kann aber auch gleich die Bahn in die benötigten Formate schneiden.
Diese verleimten Leinwandstücke werden dann auf einen Keilrahmen gespannt und nach Wunsch grundiert. Eine vorherige Grundierung ist nicht empfehlenswert, da das Spannen so wesentlich leichter geht.