Liebes Forum,
für alle, die einmal den gesamten Herstellungprozess einer Freehandpfeife sehen wiollen, hier eine Fotodokumentation dazu.
Gruß
Peter

Viele Arbeitsvorgänge sind nötig, um eine Pfeife und ihr Mundstück komplett zu fertigen. Obwohl die gesamte Prozedur dem Bau einer künstlerischen Skulptur ähnelt, hat es andere Auswirkungen auf den Erbauer. Mag es daran liegen, dass aus praktischen Gründen die Möglichkeiten der Formgebung limitiert sind, an dem Nutzwert einer Pfeife oder an der Harmonie, die in der Linienführung der Formen erreicht werden können und sollten, es ist ein kleines Geheimnis des Pfeifenbaus, die Befriedigung, den diese Arbeit erzielt. Die nachfolgenden Bilder sollen schrittweise den Bau einer Pfeife beschreiben.

Der erste Schritt besteht darin, die Seitenflächen des Plateaus parallel zu sägen. Da die Bohrungen in einem Bohrständer mit Schraubstock gemacht werden, würden nichtparallele Seiten dazu führen, dass das Plateau beim Umspannen die exakte senkrechte Lage verliert und die Spitzen der Tabakkammer und des Rauchkanals nicht mittig zusammenstoßen.

Danach wird auf eine Seitenfläche die spätere Pfeife aufgezeichnet. Hierbei sind nur die Linien für die Bohrungen wichtig, bei der Reihenfolge meines Schleifens geht die Zeichnung schon verloren, bevor die Form erstellt wird, also sind die Umrisse verzichtbar.

Dann werden die obere Kopffläche und die Fläche am Ende des Holms grob abgesägt und die Mitten der Bohrungen aufgezeichnet.

Das Plateau wird in den Bohrständer ausgerichtet und gespannt und die obere Planfläche gefräst.

Danach kann die Tabakkammer gebohrt werden.

Das Plateau wird neu ausgerichtet und die Planfläche des Holms gefräst und die Bohrung für den Mundstückzapfen gebohrt.

Wenn die Mundstückachse einen anderen Winkel hat als der Rauchkanal wird das Plateau erneut ausgerichtet. Dann wird der Rauchkanal gebohrt.

Jetzt zeigt sich, ob alle Bohrungen richtig und genau gesetzt waren.

Bei Shapes mit kreisrunder, exakter Form zeichne ich die wichtigsten Durchmesser auf die obere Planfläche. Zurück zur Bandsäge werden weiter Teile abgesägt.

Die Rundform wird sehr grob ausgesägt.

An einem Bandschleifer wird daraufhin wirklich exakt die äußere Rundung geschliffen. Dies mache ich nur bei wirklich kreisrunden Shapes auf diese Weise. Ich lege Priorität in die Rundform und nicht in die Seitenform, die toleranter zu handhaben ist.

Hier sieht man das Ergebnis. Hier wird auch sichtbar, dass ich bei dieser Vorgehensweise die Zeichnung verliere. Bis hierhin gab es Hilfslinien, die halfen, sehr genau zu arbeiten. Alles Andere, was folgt, ist nur noch eine Frage des Augenmaßes.

Jetzt kommt der schwierigste Teil, die eigentliche Formgebung an der Schleifscheibe. Da braucht man gar nicht viel herumreden, das ist nicht trivial und erfordert viel Übung und Routine. Was einmal weggeschliffen ist, ist unrettbar verloren. Genau bei Shapes wie diesem ist das besonders schwierig. Blitzlicht und kurze Belichtung haben auf diesem Foto die sich drehende Schleifscheibe eingefroren.

Man kann mit der Schleifscheibe den Bereich um den Holm nicht bearbeiten, er muss später per Hand geschliffen werden.

Es macht Sinn, mehr als eine Pfeife gleichzeitig zu machen. Es kann jederzeit ein Fehler im Holz auftreten, besonders ein innerer Riss beendet jede Hoffnung auf eine schöne Pfeife.

Nun wird es Zeit für die Mundstücke. Zuerst wird mit einem konischen Spezialbohrer der Rauchkanal in das rohe Stangenmaterial gebohrt. Bei diesem Beispiel hier handelt es sich um eine Perlmutt-Acrylstange. Auch bei allen anderen Materialien kommt die gleiche Arbeitsfolge zum Tragen.

Danach wird die obere Fläche plan gefräst.

Jetzt folgt die Bohrung, die den Teflonzapfen aufnimmt mit 10 mm Durchmesser und zwei weiter Bohrungen, die stufenweise bis auf 8 mm reduzieren um hinterher die verschiedenen Filter aufzunehmen, die leider je nach Marke unterschiedliche Durchmesser haben. Ich bevorzuge diese Stufenbohrungen, da Filter dann fest und parallel geführt werden.

Nachdem alle Löcher gebohrt wurden, werden die Teflonzapfen mit Epoxyd-Kleber bestrichen und in die Rohlinge geschoben. Bei hellen Mundstücken nimmt man üblicherweise weiße Teflonzapfen.

Während der Kleber trocknet wird der Holb an der Schleifscheibe Rundgeschliffen. Da dies per Augenmaß nicht genau genug wird, muss etwas Material gelassen werden. Ich lasse die Rogdurchmesser etwa 1 mm größer als geplant.

Danach wird der Holm abgeklebt und mit der Schleifscheibe der Pfeifenbauch bearbeitet. Dies erfolgt hier auch nur sehr grob.

Ebenso grob folgt nun der Übergang zwischen Kopf und Holm. Jedoch wird hierzu die Schleifscheibe verlassen und mit einem kleinen Handfräser weitergearbeitet.

Nun wird auf einen kleineren und feineren Schleifkörper gewechselt und zur Feinarbeit übergegangen. Oft fühle ich eher die kleinsten Unebenheiten, als dass ich sie sehe. Nun wird auch bereits extrem vorsichtig gearbeitet, um nicht zu viel wegzuschleifen.

Danach wird ganz mit der Hand weitergeschliffen. Die Pfeife wird auf einen Dorn gespannt und mit Schleifpapier-Streifen weiter geglättet und gerundet. Dazu wird immer feineres Schleifpapier genommen, je weiter die Arbeit fortschreitet. Nur der Holm wird noch ausgelassen.

Noch ist das Schleifpapier grob genug um den Pfeifenkörper schön zu runden.

Der Holm bleibt noch unbearbeitet, nur der Pfeifenkopf wird hier geschliffen.

Das Schleifpapier wird gewechselt. Nun wird es bereits sehr fein.

Jetzt kann sich das Ergebnis schon sehen lassen.

Bevor nun der Holm bearbeitet wird, erhält das Mundstück den richtigen Durchmesser. Auf einer Mini-Drechselmaschine, die ich sonst für Schmuckperlen verwende, wird das Mundstück auf 16 mm Durchmesser gedrechselt. Für Pfeifenköpfe ist die Maschine zu klein, aber für Mundstücke ideal.

Wenn der gewünschte Durchmesser gedrechselt ist, wird danach gleich auch der Teflonzapfen im Durchmesser vorsichtig verringert, bis das Mundstuck stramm in den Pfeifenholm passt.

Mit dieser einfachen, aber äußerst nützlichen Vorrichtung wird nun Holm und Mundstück miteinander verschliffen. Obwohl ein vorstehender Ring aufgesetzt wird und ein 100%-tiger Übergang nicht erforderlich wäre, ist es eine Frage der Qualität, diesen Punkt gewissenhaft auszuführen.

Hier sieht man, noch mit grobem Schleif-Papier geschliffen, das Resultat. Holm und Mundstück gehen sauber ineinander über.

Nun werden die Zier-Ringe gefertigt. Dazu wird ein Stück Acryl-Stangenmaterial abgeschnitten, in diesem Fall eine Bernstein-Imitation, und zuerst der Innendurchmesser gebohrt.

In der Drechselmaschine kann nun der Außendurchmesser gefertigt werden.

Danach müssen die Planflächen geglättet werden.

Nach einer ersten Politur kann man die Wirkung dieser schönen Ringe schon erahnen. Es wurden zwei Ringe mit unterschiedlichen Abmessungen gefertigt. Je dicker die Wandstärke, desto dunkler der Ring. .

Bevor die Ringe angepasst werden, schleife ich die Brennkammer konisch auf. Hierzu wurde ein konischer Dorn gedrechselt, um den Schleifpapier gewickelt wird.

Hier sieht man die Arbeitsweise des Dorns...

...und hier das Ergebnis. Auch im Innenraum der Pfeife, der Tabakkammer, werden mit immer feinerem Schmiergelpapier auch die letzten Spuren entfernt.

Nun wird der Holm im Bereich des Rings etwas dünner geschliffen, damit die vorbereiteten Ringe passen. Die eine Pfeife bekommt einen hauchdünnen Ring...

...und die andere einen dickeren, der deutlich übersteht. Noch werden die Ringe nicht verklebt, dies geschieht in diesem Fall erst nach dem Beizen.

Nun hat man schon einen guten Eindruck, wie die Pfeifen hinterher wirken werden.

Jetzt folgt die Fertigstellung der Mundstücke. Zuerst wird mit dem Bandschleifer grob die Abschrägung geschliffen. Ich markiere am Mundstückende die Stelle, die oben liegt, damit die Ausrichtung der Schrägen und des Trichters stimmt.

Danach wird der Trichter am Mundstückende mit einem Fräser vorbereitet, er wird später V-förmig verschliffen.

Als nächstes folgt die Bearbeitung des Mundstücks im Schraubstock. Mit Raspeln und Feilen wird die Form erarbeitet.

Wichtig ist, sich gleichmäßig und vorsichtig an die Bissstärke heranzutasten.

Die Standard-Bißstärke habe ich mit 3,8 mm festgelegt. Das hält sich bequem zwischen den Zähnen hat aber noch hinreichend Materialstärke, um einen Durchbiß zu verhindern.

Mit Nadelfeilen wird nun die Öffnung des Rauchkanals V-förmig aufgeschliffen und die Außenkanten gerundet.

Hier das fertige Mundstückende von der Seite.

Vor dem Feinschliff des Mundstücks ist dies der richtige Zeitpunkt, zu überprüfen, ob Mundstück und Pfeifenkopf zueinander passen und eine harmonische Einheit bilden. Ziel dieser Pfeife war einen Handschmeichler zu gewinnen, der aber trotzdem noch eine gewisse Eleganz sein Eigen nennt. Daher ist nun die Form des Mundstücks auch so wichtig. Dabei muss berücksichtigt werden, dass das Mundstück noch gebogen werden muss.

Um auch die letzten Spuren der Feile und des Schleifpapiers sicher zu sehen, mache ich eine grobe Zwischenpolitur. Dann zeigt sich sofort jede Unregelmäßigkeit, jeder Kratzer, jede Spur. An einer Stoffpolierscheibe wird mit gober Polierpaste das ganze Mundstück poliert. Wieder hat das Blitzlicht die sich schnell drehende Scheibe auf dem Foto eingefroren.

Nun erkennt man schon die unglaublich schöne Wirkung des Perlmutts. Permutt-Mundstücke sind lebhafter und wärmer wie weiße Mundstücke. Ihnen haftet ein sehr eleganter und edler Character an. Auf dem Foto erkennt man auch den Schutzring, der während des Polierens aufgeschoben wird. Er hat einerseits die Aufgabe, den Teflonzapfen vor Abrieb zu schützen und andererseits zu verhindern, dass sich die Außenkante rundet.

Wird nach dem groben Polieren wird mit feinem Schleifpapier das Mundstück erneut geschliffen, bleiben tiefere Stellen glänzend und man kann sie gut erkennen (siehe Pfeil). Alle Kratzer und Schleifspuren werden entfernt. Danach erfolgt aufs Neue eine grobe Politur.

Der Lohn der Arbeit ist ein wunderschönes Mundstück mit viel Liebe und Aufmerksamkeit erzeugt und das sieht man ihm auch an.

Nun erfolgt der Feinschliff des Pfeifenkopfes. Mit immer feinerem Schleifpapier wird das Holz von allen Verarbeitungsspuren befreit. Ich benutze nun Hnadschuhe, um zu vermeiden, dass noch Hautfette übertragen werden, um das Beizen optimal zu gestalten.

Einer der beiden Pfeifen sollte wunschgemäß rustiziert werden. Hierzu wird zuerst mit einem größeren, runden Fräser das Holz grob vorstrukturiert...

...dann mit einem feineren, kantigem Fräser in einer Ausrichtung...

...und dann in der anderen Ausrichtung fein strukturiert.

Danach wird der Bereich der Rustizierung schwarz gebeizt.

Nach dem Trocknen der schwarzen Beize wird die Rustizierung überschliffen, damit nur die tief gelegenen Stellen schwarz bleiben.

Der erste Beizvorgange fällt nicht gerade ermutigend aus. Macht man dies zum ersten Male, möchte man eigentlich gleich aufgeben.

Nach einem Zwischenschliff erfolgt die zweite Beizung. Nun wird es ein wenig besser, ein schmutziges Braun-Blau ist entstanden.

Nach einer sehr kräftigen Zwischenpolitur wird die erste Pfeife langsam bläulich, die Rustizierte hat durch gelöste schwarze Beize eine dunkleren Ton angenommen, der optisch aber auch nicht schlecht wirkt.

Nach acht Beizvorgängen ist das Holz zu der Überzeugung gekommen, blau zu sein. Nicht vollständig, so lange man die Maserung sehen kann, ist dies auch nicht möglich. Auf dem Foto wirkt die Farbe noch nicht richtig, das hängt mit den Mischlichtverhältnissen an meinem Arbeitsplatz zusammen.

Nun wird eine Bohrung auf der Oberseite des Mundstücks angefertigt, die später einen kleine hellblauen Glaskristall aufnehmen soll.

Danach wird das Biegen des Mundstücks vorbereitet. Ich lege das Mundstück in die Öffnung eines Föns, damit der Kunststoff weich wird.

Ist das Material weich genug, wird es gebogen und sofort in einem Wasserbad abgekühlt.

Jetzt kommt der letzte Arbeitschritt, das verkleben des Rings und der Applikation im Mundstück. Dazu wird ein Epoxydkleber angerührt.

Der Schaft am Holm, der den Ring aufnehmen soll, wird hauchdünn mit Klebstoff beschichtet und der Ring aufgeschoben.

Das Einkleben des winzigen Kristalls ist ein wenig heikel.

Zum Schluß werden beide fertigen Pfeifen zum Trocknen an eine ruhige Stelle gelegt.