hier ein kleiner Beitrag zum Thema Farblehre.
Farblehre für den Pfeifenbau
Bei traditionellen Pfeifen spielte bislang eine Farblehre nur eine unbedeutende Rolle. Die Entwicklung moderner Shapes mit immer neueren Materialien für Applikationen und Mundstücken, macht es unverzichtbar sich mit moderner Farblehre zu befassen.
Das Thema ist sehr umfangreich, deshalb wird es hier sehr zusammengefasst umrissen. Es gibt hinreichend Material im Internet, leicht auffindbar mit dem Begriff "Farblehre". Wir beschränken uns hier auf das Wesentliche, kurz zusammengefasst aus der Sicht des Pfeifenbaus. Dabei wird auf jegliche wissenschaftliche Darstellung verzichtet und so erklärt, dass man ohne Vorkenntnisse leicht versteht, worum es geht.
Licht
Das Licht (z.B. der Sonne) kommt in verschiedenen Wellenlängen daher. Wir Menschen können einen Teil dieses Lichts erkennen, in Abhängigkeit der Wellenlänge. Zerlegt man das Licht der Sonne (mit einem Prisma) können wir ein Spektrum sehen, die 'einzelnen' Wellenlängen in unterschiedlichen Farben. Dies ist exakt das, was wir sehen, wenn ein Regenbogen entsteht.

Spektrum der Sonne, vereinfachte Darstellung
Fehlen bestimmte Wellenlängen, erscheint der Bereich schwarz. Ist gar kein Licht vorhanden, ist alles schwarz. Sind alle Wellenlängen vorhanden, 'sehen' wir weiß. (Sehr vereinfacht)
Schwarz und weiß sind also eigentlich keine Farben, sie werden in der modernen Farblehre als "unbunte Farben" bezeichnet. In der Malerei herrschte darüber lange Streit, bis hin zum Zweifel, ob es schwarz überhaupt gibt. Erst die modernen Impressionisten fingen an, in Gemälden gezielt reines schwarz als Farbe einzusetzen.
Für uns ist wichtig zu verstehen, das schwarz und weiß unbunt sind und somit zu jeder Farbe passen. Sie sind farblich neutral.
Unser Auge - unser Hirn
Die schlechteste Nachricht ist die, dass es Farben gar nicht gibt! Farben sind eine weniger gute Methode, über ein stark vereinfachtest Farbmodell Licht unterschiedlicher Wellenlänge zu erkennen. Wenn Licht auf einen Gegenstand fällt, reflektiert er nur einen Teil des Lichts. Daher scheinen Gegenstände 'Farbe' zu besitzen. Das Erkennen von Farben (bzw. reflektiertes Licht unterschiedlicher Wellenlänge) war für die Evolution des Menschens sehr wichtig. Es ist halt ein Vorteil, wenn man schon aufgrund der Farbe einen giftigen Pilz von einem ungiftigen unterscheiden kann.
Unser Auge besitzt 4 verschiedene 'Lichtsensoren' unterschiedlich dicht und unterschiedlich verteilt. Einer ist hochempfindlich, im grün/blau-Bereich angesiedelt und ermöglicht uns das Nachtsehen. Die anderen drei haben ihre höchste Empfindlichkeit jeweils im roten, im grünen und im blauen Bereich, mit gewissen Überschneidungen (Empfindlichkeitsglocken). Diese empfangenen Daten werden über eine (neu erforschte) 'Schaltlogik' noch in Gegenfarben gewandelt und an das Hirn geleitet. Dort entsteht dann unser Farbsehen.
Diese Methode ist nicht gerade das Gelbe vom Ei, da reichlich Daten verloren gehen. Man kann aufgrund der Farbe nicht exakt auf das ursprüngliche Spektrum zurückrechnen.
Der Farbkreis
Diese Einleitung war auch schon das Schwierigste. Alles, was nun folgt ist recht einfach.
Kluge Leute haben den Farbkreis entwickelt, schon Goethe hat das getan. Wir verwenden hier ein ganz einfaches Modell, das reicht völlig für alles, was wir wissen sollten:

Bei genauer Betrachtung sieht man wieder den Regenbogen (das Spektrum) nur hier auf 6 Farben reduziert und um einen Kreis gewickelt. Zum Verständnis für Farben genügt dieses kleine, einfache Teil um alles zu verstehen, was es mit der Kombination von Farben auf sich hat.
Rot, gelb und blau bezeichnen wir als Primärfarben. Mischen wir immer zwei dieser Farben zusammen und legen sie dazwischen, entstehen grün, orange und violett. Dies drei Farben bezeichnen wir als Sekundärfarben.
Nun liegen im Farbkreis immer zwei Farben gegenüber. Diese Bezeichnen wir dann als Komplementärfarben.
Da ist alles!
Was bringt uns das? Nun, so allein gar nichts, zwei Regeln müssen noch erklärt werden (es gibt mehr, aber wir beschränken uns hier auf zwei)
1. Farben, die im Farbkreis nebeneinander liegen passen zusammen (Farbharmonie durch Farbnähe)
2. Farben, die im Farbkreis gegenüber liegen, passen zusammen! (Farbharmonie durch Farbkontrast)
Plötzlich reicht dieser kleine Kreis, um sicher zu erkennen, welche Farben optimal zueinander passen.
Schaut Euch das an. Macht Euch mit den Möglichkeiten vertraut. Aufmerksame Beobachter werden irgendwann entdecken, dass eine wichtige Farbe zu fehlen scheint: Braun. Irrtum. Braun ist nur ein dunkles Orange!
Weiß man dies, kann man vielleicht leichter meine blaue Weihnachtspfeife verstehen:

Blau und Orange sind Komplementärfarben, weiß ist neutral. Das ist nicht dem Zufall überlassen, sondern folgt nur den Regeln der modernen Farblehre. Da ist auch der Grund, warum ich niemals etwas zu Kritik über meine Farbwahl sage, das wäre nicht fair. Und genau deshalb ist es wichtig, im Pfeifenbau etwas über Farben zu verstehen.
Hier noch ein Link, wenn man etwas tiefer graben möchte. Wer ganz tief graben will, kann von mir entsprechende Bücher empfohlen bekommen. Das ist jedoch z.T. starker Tabak.
http://www.metacolor.de/index.html#std2
