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Wallenstein - Deutschland

Vorstellung von Pfeifenmachern
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administrator - Administrator
Beiträge: 4817
Registriert: Sa 22. Jan 2011, 17:46
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Beitragvon administrator » Do 16. Jun 2011, 20:28 - © All rights reserved


Roger Wallenstein - Deutschland
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Eigentlich ist es wie mit unserer Kleidung:

Ganz gleich, ob der Raucher Klassisches oder Modernes bevorzugt, mit seiner Pfeife dekoriert er sich. Man kann Kleidung von der Stange kaufen, sie tut prächtig ihren Dienst. Man kann auch Serienpfeifen rauchen, für die dasselbe gilt. Wie man seine Schränke mit auf Maß geschneiderten Anzügen oder handgefertigten Schuhen anfüllen kann, so kann man auch bei Pfeifen auf Handmades bestehen.

Neben vielem anderen haben Kleidung und Pfeife noch eine Gemeinsamkeit: Sie sollen „passen“.

Pfeifen sollten deshalb ein handliches Format haben, leicht und gut zu handhaben sein. Und: Sie müssen ihrem Raucher gefallen. Format und Gewicht sind im Pfeifenbau durch die Größe der Bruyère-Kantel weitestgehend vorgegeben. Die Handhabung ist eine Frage der Technik, die der Pfeifenmacher beherrschen muss.

Seine eigentliche Aufgabe aber ist die Gestaltung der Form.“






Von Anfang an hat Roger Wallenstein versucht, in der Formgebung Neues zu schaffen. Auf der ständigen Suche nach der Form, die die erwähnten Kriterien erfüllt, ohne den eingefahrenen Sehgewohnheiten des Publikums zu genügen, hat er sich mit dem Kopieren klassischer oder skandinavischer Shapes nicht aufgehalten, sondern allenfalls deren altbekannten Gestaltungsmerkmale für sich nutzbar gemacht.

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„Puck Fair“, „Blowsy Boy“ und „Killala“

Es stellte sich schnell heraus, dass die Anzahl möglicher Shapes, trotz der Grenzen, die das Format der Kantel setzt, schier unendlich ist. Der Verführung, dieses Potenzial in seiner Gänze auszuschöpfen, ist Roger Wallenstein stets erlegen gewesen. Das hat ihm angesichts der Ergebnisse seines Schaffens in der Pfeifenwelt verständnisloses Kopfschütteln und sogar entschiedene Ablehnung eingetragen. Aber eben auch Interesse und Zustimmung bis hin zur Begeisterung.

Pfeifen von Roger Wallenstein lassen nicht kalt. Sie polarisieren. Womöglich sind sie mitunter sogar „Kunst“. (http://pipes.over-blog.com/article-roge ... 13265.html)


Die Marke B.R.O.S.
Gemeinsam mit den renommierten Pfeifenbauern Oliver Camphausen und Axel Glasner hob Roger Wallenstein 2008 die Linie „B.R.O.S.“ (i.e.: The Bonny Rebels Of The Shape) aus der Taufe, bei der er für die Formgebung verantwortlich war.

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In Abkehr von vorherigen Vertriebswegen wurden die Pfeifen, die so entstanden, ausschließlich über den Einzelhandel vertrieben. Das Projekt war ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des innovativen Machers, dessen Anliegen es letztendlich ist, Ideen zu verkaufen.


Blue Lobster Pipes
Das Jahr 2008 markiert auch den Beginn der Zusammenarbeit Roger Wallensteins mit dem Großhandel und damit das Ende des Vertriebs seiner Pfeifen über das Internet. Zwar werden diese nach wie vor auf der gemeinsam mit Pit Rohrbach und Oliver Camphausen seit 2005 betriebenen Website http://www.blue-lobster-pipes.com

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präsentiert, Wallenstein-Pfeifen sind aber weltweit nur noch über den Fachhandel zu beziehen.


Vertriebspartner Kopp
Im Zuge der Verbindung mit dem Großhändler Kopp (http://www.kopp-pfeifen.de/) wurde Roger Wallenstein alsbald damit beauftragt, Pfeifen für die Marke „Chieftain’s“

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zu entwerfen. Bislang sind so die „One Finger Pipe“
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und das Modell „Ballance“
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entstanden; beides Modelle, die dem Hersteller ungewöhnliche Erfolge auf dem heiß umkämpften Serienpfeifenmarkt bescherten.


Die Marke Jolly Roger
Wohl nicht zuletzt deshalb wurde Roger Wallenstein kurz danach eine eigene Marke gewidmet und unter dem Namen „Jolly Roger“ eingeführt.

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Auch hier sind unterdessen zwei Modelle erschienen, „Buccaneer“ und „Port Royale“, die in den „üblichen“ Qualitäten, also glatt und sandgestrahlt, angeboten werden. Eine kleine Anzahl vorgefertigter Pfeifenköpfe dieser Linie indes versieht Roger Wallenstein in Handarbeit mit dem von ihm entwickelten „Driftwood“-Finish.

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„Buccaneer“

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„Port Royale“


Die Marke Wallenstein
Dem breiten Kundenwunsch auf dem deutschen, zunehmend aber auch dem internationalen Markt folgend, werden diese Serienpfeifen ausschließlich mit 9mm-Filterkammer gefertigt, während die von Roger Wallenstein unter seinem eigenen Logo

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hergestellten Einzelstücke bis auf wenige Ausnahmen nicht für Filter vorgesehen sind.

Nachdem Roger Wallenstein in der Anfangszeit versuchte, mit jeder neuen Kantel die Pfeife als solche neu zu erfinden, beschäftigt er sich zunehmend damit, neben der Entwicklung neuer Shapes ein einmal für gut befundenes zu verbessern, zu variieren und weiter zu entwickeln. So ist z.B. aus der „Black Jack“

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das Shape „Cheeky Girl“ enstanden.

Wie man sieht, kommt dabei seit geraumer Zeit ausschließlich das bereits erwähnte “Driftwood”-Finish zur Anwendung, eine sanft-chemische Behandlung der Holzoberfläche, die nicht nur eine völlig ungeahnte Struktur des Bruyère-Holzes sichtbar werden lässt,

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sondern auch den Einsatz ungewöhnlicher Farben ermöglicht.

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So ist zum Experimentieren mit der Form auch das mit der Technik hinzugekommen. Gegenwärtig perfektioniert Roger Wallenstein das von ihm entwickelte, neuartige Verbindungssystem zwischen Kopf und Mundstück, das auf der Verwendung von Magneten basiert und sich in Kürze auch in Serienpfeifen wieder finden wird.


Signatur-Shape
Vor Allem wird man aber auch zukünftig damit rechnen können, dass neue Shapes Roger Wallensteins Werkstatt verlassen; vielleicht ist da ja sogar etwas dabei, was man dereinst als „Signature-Shape“ bezeichnen wird.

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„Graffiti“

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„Wartfish“

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„Bonefish“

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„Arran Quay“

BildAllerdings fällt es schwer, Roger Wallenstein „nur“ ein Shape zuzuordnen. Trotzdem sind die Pfeifen von „Walle“ anhand der Summe ihrer Eigenschaften unverwechselbar und sofort als solche zu erkennen. Nämlich als „pipes that make you smile.“

Roger Wallensteins Kreationen sind eingefangene Imagination. Diese Imagination treibt den Macher ständig weiter, auf zu neuen Ufern. Denn eigentlich ist es ja wie mit unserer Kleidung. „Klassisch“ ist nur die Calumet. Wie das Bärenfell.




















Interview
PR: Welche Pfeifen baust du am liebsten?
Klingt doof, ist aber so: Alle!

Wenn ich meine Werkstatt betrete, dann mit mindestens einer Idee, die ich umsetzen will. Das kann eine kleine Änderung sein, die ich an einem bekannten Shape vornehmen möchte, meistens habe ich aber einige Skizzen dabei, die ich tagsüber bei der Arbeit – nebenbei: ich habe einen Fulltime-Job, Gott sei Dank – hingekritzelt habe, und die ich dann umsetzen möchte. Wenn ich das nicht „am liebsten“ täte, würde ich es lassen.

PR: Wie! Skizzen von immer neuen Shapes?
Na ja. Mitunter glaubt man das ja nur, dass man als erster auf eine neue Shape-Idee gekommen ist. Wenn man sich mit dem Sujet intensiv beschäftigt, sieht man halt viele, viele Pfeifen; da bleibt natürlich auch vieles vom Gesehenen im Unterbewussten hängen, das dann später irgendwann plötzlich als vermeintlich eigene Idee hervorbricht. Mir ist das schon oft so gegangen. Die Enttäuschung hielt sich aber in Grenzen.

PR: Aber Du beabsichtigst schon, immer etwas Neues zu bauen?
Na klar, Peter! Ich habe mit der ganzen Bastelei überhaupt nur deshalb angefangen.

In den Siebzigern – mitten im Pfeifen-Boom - gab’s eine epochale Jugendillustrierte, die hieß „Twen“, du wirst dich an sie erinnern. Leider ist die viel zu schnell pleite gegangen. In der war einmal ein reich bebilderter Artikel über Pfeifen drin, der mich total fasziniert hat. Viele schöne Pfeifen waren da zu bestaunen, aber eine hat mich echt vom Hocker gehauen, das war eine „Objektpfeife“ von Hasso Baudis. Völlig anders als die anderen in diesem Artikel war die, zum Niederknien schön – leider auch ihr Preis, der lag weit außerhalb meiner Möglichkeiten, ich glaube 2.000 Mark. Dafür bekam man damals fast einen neuen 2cv! Aber durch diese Pfeife bin ich auf die Idee gekommen, es selbst zu versuchen, Pfeifen anders zu machen. Das hat dann zwar noch Jahrzehnte gedauert, wie man ohne Übertreibung leider sagen muss. Aber immerhin! Leider ist die Ausgabe des Twen bei einem meiner Umzüge verschütt gegangen.

PR: Und wie viele baust du so im Jahr?
Weniger als früher. Ich schmeiße viel weg. Nicht nur dann, wenn das Holz schlecht ist, sondern auch dann, wenn mich das Ergebnis nicht formal überzeugt. Insgesamt vielleicht 70 oder 80.

PR: Die Holzqualität müsste bei Dir doch eigentlich zweitrangig sein, seit Du alle Pfeifen mit deinem Driftwood-Finish versiehst.
Stimmt nur teilweise, leider. Grobe Klöpse kann auch das nicht heilen. Ich finde übrigens, dass eine gute Maserung – namentlich Birdseyes – bei Driftwood besser kommt als in glatt und poliert. Bitte: Meine Meinung!

PR: Dich zu fragen, wie das funktioniert, brauche ich nicht?
Nö! Nur so viel: Es ist simpel. Und billig. Zum Glück.

PR: O.K., dann nicht. Letzte Frage: Wie beurteilst Du den Markt?
Positiv. Alle prohibitiven Strömungen schlagen irgendwann in’s Gegenteil um. Hoffentlich erleben wir zwei alten Knacker das noch.



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(Stand: 11. Juni 2011)

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