Zentie

Zenties auf Leinwand malen

Obwohl Zenties typisch grafische Papierarbeiten sind, kann es wünschenswert sein, sie auch in größeren Formaten auf Leinwand zu "Zeichnen" oder Zenties in Gemälde zu integrieren.

Es ist zu einer Unsitte geworden, mit handelsüblichen Filzstiften auf Leinwänden herumzumalen, weil das Ziehen von Outlines mit dem Pinsel so schwierig ist, besonders, wenn es sich um großer Objekte handelt. Dabei wird immer wieder vergessen, dass viele der normalen, handelsüblichen Filzstifte weder säurefrei sind, noch alterungsbeständig noch lichtecht. Ein weiteres Indiz für den Qualitätsverfall in der Kunst.

Nun stellen für mich auch professionelle Marker keine Alternative dar, weil sie alkohollöslich sind und die von mir verwendeten Fixierungen und Firnisse die Markerlinien anlösen und verschmieren. Aber selbst, wenn dem nicht so wäre, stört mich einfach, dass ich auf die allerbesten Acrylfarben mit irgendwelchen fremden Farben arbeiten soll, deren Qualität für mich nicht abschätzbar sind.

Das Ergebnis dieser Überlegungen ist, dass es mich nur zufriedenstellt, wenn auch die Outlines mit Acrylfarbe gemalt wurden.

Hierzu gibt es zwei Varianten: Entweder male ich die Outlines tatsächlich mit dem Pinsel, was bei meinen großen Gemälden die bevorzugte Methode ist, oder ich verwende die mit Acrlyfarbe befüllbaren Liner von Schmicke.


Eines meiner Gemälde mit Outlines, die ausschließlich mit dem Pinsel gezogen wurden.
Salvador Dalí
Acryl auf Leinwand - 60x80 cm

Pinsel vs. Liner

Beide Methoden haben Vor- und Nachteile. Abgesehen davon, dass man sehr routiniert sein muss und eine perfekte Pinselführung benötigt, ist das Zeichnen mit dem Pinsel extrem aufwendig. Da Schlepper und Schwertschlepper (auch Pinstripping) für mich nicht in Frage kommen, weil ich mit diesen Pinsel nicht um enge Radien herum komme, bleiben nur sehr kurze und sehr dünne Pinsel übrig, deren Fassungsvermögen an Farbe für lange Linien nicht reicht und somit immer wieder neu angesetzt werden müssen. Eine sehr lange, dünne Kurve mit einem Pinsel zu malen ist ein Kunststück. Die Geschwindigkeit, mit der die Linie gemalt werden muss, ist von dem Flussverhalten von Farbe und Pinsel abhängig. Auf die Schnelle geht das nicht. Hinzu kommt, dass diese Arbeit sehr anstrengend ist, besonders, wenn man wegen der Größe der Bilder nicht in einer bequemen Körperhaltung arbeiten kann. Aber der Pinsel hat einen Vorteil, den die Liner nicht aufwiegen können: Sie passen sich den Unebenheiten des Leinwandgewebes an, trotz dieser Berg- und Talfahrt kann man extrem glatte Kanten malen. Noch etwas kommt hinzu: Die Stärke der Linie ist davon abhängig, wie stark man den Pinsel auf die Leinwand drückt. Um eine glatte, saubere Linie zu malen, muss man also nicht nur die Kontur sicher ziehen können sondern muss auch sehr exakt die Auflage des Pinsels auf der Leinwand konstant halten. Andererseits ermöglicht aber genau dies, dynamische Linienzüge mit unterschiedlichen Linienstärken zu malen.

Anders sieht das bei Linern aus. Hier ist es extrem einfach, die Linienstärke halbwegs konstant zu halten. Ein "lebendiger" Strich ist jedoch kaum möglich. Dafür ist man mit dem Liner erheblich schneller als mit dem Pinsel. Jedoch ergibt sich andererseits ein wenig der Nachteil, dass zu langsam gezogene Linien deutlich dicker sind. Der größte Nachteil der Liner besteht jedoch darin, dass er viel schlechter mit den Unebenheiten des Gewebes klarkommt. Das Rattern des Stifts auf der Leinwand kann nur durch sehr zartes Führen verhindert werden, was auch wiederum nicht so einfach ist. Diese Liner sind ja nicht für Leinewand konzipiert worden, sondern für Papier.

Ein weitere Nachteil ist, dass sehr dünne Linien nicht gezogen werden können, der feinste Stift hat eine Linienstärke von 0,8 mm. Andererseits ist der Stift dem Pinsel hoch überlegen, wenn es um kurze Linien feiner Details geht.

So ist eine gewisse Patt-Situation entstanden, beide Methoden machen Sinn, mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Bei Zenties macht der Liner viel Sinn, weil die kleinen, sich ständig wiederholenden Muster mit ihm leichter zu bewältigen sind, aber bei sehr großen Linienzügen oder dynamischen Linien ist der Pinsel im Vorteil. Deshalb möchte ich hier beide Möglichkeiten vorstellen.

Arbeiten mit den Linern von Schmincke

Die korrekte Produktbezeichnung der Liner von Schmincke ist "Aero Color® Professionell Liner". Zurzeit gibt es sechs verschiedene Liner (Schmincke Produktseite). Erstaunlicherweise haben die Spitzen der Liner zwei unterschiedliche Systeme. Die einen sehen tatsächlich aus wie Marker, mit filzähnlicher Spitze. Jene jedoch, die für dünne Linien verwendet werde (0,8, 1,0 und 2,0 mm) sind nur auf dem ersten Blick normale Spitzen. Es handelt sich um mehrfach geschlitzte Kunststoffspitzen. Diese Schlitze haben offenbar die gleiche Funktion, die wir von Tuschefedern kennen. Die Stifte werden leer verkauft, man füllt sie mit beliebigen Farben der Schmincke Acryl-Airbrushfarben " Aero Color® Professionell".

Für dieses Beispiel habe ich einen mit Leinwand bezogenen Malkarton im Format 18x24 cm verwendet. Bei größeren Formaten sind natürlich Keilrahmen sinnvoller. Vor Beginn der Arbeiten habe ich den Malkarton mit Titanweiß nachgrundiert, um hohen Kontrast und große Gleichmäßigkeit des Untergrund zu erzielen. Dann wurde mit einem Lineal und dem 0,8 mm Liner (Nr. 1) der 14x14 cm großer Bereich eingezeichnet.

Nun war es recht einfach, mit einem breiten Flachpinsel die Randfläche schwarz zu malen. Ich verwende ausschließlich die Acrylfarben "PRIMAcryl®" von Schmicke, für solche Arbeiten in der Fluid-Variante.

Danach wurde wie üblich das Zentie schrittweise mit dem Liner Nr.1 (0,8 mm) gezeichnet.

Für das Setzen der roten Akzente habe ich einen Liner Nr.5 (1 mm) mit roter Airbrushfarbe gefüllt. Danach wurde noch eine Firnis aufgezogen.

Hier das fertige Ergebnis.

Arbeiten mit dem Pinsel

Zenties mit dem Pinsel zu malen ist erheblich schwieriger als mit Stiften. Es gehört eine sehr ruhige Hand, Erfahrung und viel Übung dazu. Es dauert auch erheblich länger als mit Stiften. Und ein nachträgliches Kolorieren ist ebenfalls ein Problem. Da erhebt sich die Frage, wozu denn überhaupt. Der Pinsel ermöglicht uns dynamische Linien zu malen. Dies bedeutet, dass die Strichstärke schwankt. Bei entsprechender Pinselführung kann die Linie in Radien dicker gemalt werden als bei geraden oder wenig gekrümmten Linien. Dies macht die Linie lebendig. Auch können überhaupt die Linien mit ein und demselben Pinsel in unterschiedlicher Stärke gemalt werden. Der Pinsel kommt mit den Unebenheiten des Gewebes erheblich besser zurecht, als ein Stift. Aber was man als primären Grund aufführen muss: Es sieht einfach besser aus!

Das obige Bild zeigt flüchtig gemalte Pinselstriche, die mit dem gleichen Pinsel in einem Zug gemacht wurden. Sehr schön kann man bei dem unteren Strich sehen, wie stark man die Linienstärke modulieren kann.

Neben den persönlichen Fähigkeiten spielen Werkzeug und Material, in diesem Fall Pinsel und Farbe eine entscheidende Rolle für das Gelingen des Gemäldes. Ich verwende prinzipiell ausschließlich Acrylfarben der Marke Schmincke PRIMAcryl (Finest Artists' Acrylic) und speziell für Arbeiten an Zenties die flüssige (Fluid) Farbe in Flaschen und nicht die Tuben. Durch die Verwendung einer Feuchtpalette (siehe unten) ist der Verbrauch extrem sparsam. Normalerweise wird ja nur eine Flasche Schwarz benötigt. Farbige Akzente kann man mit Tubenfarben setzen. Eine Tube Rot z.B. ist also nicht schlecht. Da ich auch große Gemälde male, habe ich sehr große Vorräte der Fluid-Farben:

Der Pinsel ist der wichtigste Schlüssel für perfekt gemalte Linien, egal, ob bei den Zenties oder an anderer Stelle, wo Outlines oder Linien benötigt werden. Nach sehr vielen Versuchen habe ich dann einen Pinsel von Raphaél gefunden, der mir optimal für diesen Zweck erscheint. Es handelt sich um die Serie "SEPIA" 864 und ich verwende die Größe 2. Das ist ein sehr schöner Pinsel mit vergoldeter Zwinge, ein professioneller Pinsel der gehobenen Preisklasse, jedoch nicht wirklich teuer. So etwas hütet man wie seinen Augapfel. Er wird sehr sorgfältig gepflegt da wenn sich Acrylfarbe in den Haaren des Pinsels verhärtet, er unbrauchbar wird.

Hier sieht man sehr schön den Größenvergleich der Pinselspitze zu eine Euro-Münze. Im Gegensatz zu Schleppern ist der Pinsel recht "hart", was die Kontrolle der Pinselführung einfacher macht und sehr präzise Linien ermöglicht.

Zuerst wurde ein Stück Leinwand auf das Format 30x30 cm geschnitten. Der spätere Keilrahmen ist 20x20 cm groß, so bleiben ringsum 5 cm die später am Keilrahmen umgeschlagen werden. Das eigentliche Bildmaß von 14x14 cm wurde zentrisch vorgezeichnet und mit dem Airbrushliner Nr.2 eine Linie ringsum von einem cm Abstand vom Rand gezogen. letzteres ist nicht unbedingt notwendig, weil dieser Bereich ja umgeschlagen wird und somit hinter dem Keilrahmen und damit von vorne nicht sichtbar ist, aber ich lege auch dort auf Sorgfalt wert, wo man es nicht sofort sieht. Da ein Stück 30x30 cm gerade so auf ein DIN A3 Zeichenbrett passt, habe ich mit Kreppklebeband die Leinwand auf ein Zeichenbrett geklebt. Man kann aber auch die Leinwand zum Malen lose auf den Tisch legen, je nach persönlicher Vorliebe. Obwohl mit dem Pinsel gemalt werden soll, mache ich die geraden Begrenzungskanten am liebsten mit dem Liner, weil das am genauesten und schnellsten mit dem Lineal geht.

Danach wurde die spätere Bildfläche mit Titanweiß grundiert. Die ausgelieferte Grundierung der Leinwand ist nämlich nicht wirklich weiß, wie man auf dem Foto sehr gut sehen kann.

Nach der Grundierung wurde wieder mit dem Airbrushliner Nr.3 die Innenkanten des Bild nachgezogen.

Dann wurde der Rahmenbereich schwarz ausgemalt. Die relativ dicken Linien des Airbrushliners Nr.3 machen es leicht, nicht über die Kante hinauszumalen.

Das folgende Foto zeigt, wie exakt die Begrenzungskante trotz der unebenen Struktur des Gewebes mit dem Liner zu zeichnen ist.

Nachdem der Außenrand gemalt war, konnte mit dem Zentie begonnen werden. Eine ganz zarte Vorzeichnung wurde mit einem 9B Bleistift entworfen. Es hat sich gezeigt, dass eine Vorzeichnung mit 2B nicht so einfach auf der Acryloberfläche wegzuradieren ist.

Ich verwende entweder PRIMACryl-Fluid Acryl-Farben oder AERO COLOR® Professional Airbrushfarben von Schmincke.

Da das Zeichnen eine Weile dauert, sollte bei Verwendung der Fluide-Acrylfarben mit einer Feuchtpalette gearbeitet werden. Man benötigt dazu eine flache Porzellan-Palette (oder etwas ähnliches), ein paar Blätter Küchenkrepp und auf die Größe der Palette zugeschnittenes Butterbrotpapier.

Zwei Bögen Küchenkrepp wird auf Größe der Palette gefaltet und flach in die Palette gelegt.

Dann wird die Palette vorsichtig mit Wasser gefüllt damit sich das Küchenkrepp ordentlich vollsaugt. Überschüssiges Wasser wird wieder abgeschüttet.

Dann wird ein Blatt Butterbrotpapier auf das Küchenkrepp gelegt und vorsichtig angedrückt. Mit dieser Palette bleibt Acrylfarbe wirklich stundenlang feucht und vermalbar. Um Linien mit dem Pinsel zu malen, muss ein Malmittel und Wasser zugefügt werden um die nötige Fließeigenschaft zu erreichen. Beides erhöht noch einmal die Verarbeitungsdauer.

So gut dies mit den Acrylfarben funktioniert, ist die Feuchtpalette für die Airbrushfarben weniger geeignet da sie die ohnehin sehr flüssige Farbe zu stark verwässert. Daher verwende ich in diesem Fall eine Porzellanpalette mit kleinen Mulden. In eine Mulde gebe ich einen sehr kleinen Tropfen Farbe und vermale diese, bis sie entweder verbraucht ist, oder zu sehr antrocknet.

Nachdem das Zentie fertig war, wurde es um den Keilrahmen geschlagen, sehr exakt ausgerichtet und mit Pinnadeln fixiert.

Hierzu wurden voher die Mitte auf den Leinwandrändern und der Keilrahmenrückseite mit einem Bleistift markiert.

Dann wurde die Leinwand angetackert, erst die Seiten...

...und zuletzt die Ecken umgeschlagen und ebenfalls getackert.

Die perfekt gespannte Leinwand:

Abschließend wurde das Bild noch mit einer Fixierung überzogen, in diesem Fall mit dem Acryl-Glanzlack von Schmincke.

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